Elektropneumatische Registereinschaltung Walcker 1956

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Beigetreten: 15.12.2015 - 10:50
Elektropneumatische Registereinschaltung Walcker 1956
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Liebe Kollegen,

ich habe mir am Freitag eine Walcker Orgel von 1956 angesehen die gereinigt / überarbeitet werden soll.

Unklar ist wie die Registereinschaltung der Tonkanzellenlade funktioniert. Die Stöcke sind mit

Lederdichtung auf die Windlade geschraubt und eine Art Schleifenzugapperat ist unwahrscheinlich,

ich vermute eher ein pneumatisches System unter den Stöcken.

Bilder füge ich bei und wäre über Hinweise, Erfahrungen etc. zu Funktionsweise und Überholungsaufwand

sehr dankbar.

 

Viele Grüße

Mathias Mebold

Bild des Benutzers Jürgen Hess
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Beigetreten: 28.03.2014 - 16:21

Lieber Kollege Mebold,

ich hatte vor etlichen Jahren in Pirmasens eine Walcker-Orgel von 1957 mit wahrscheinlich diesem System im Pedal. Wenn ich mich richtig erinnere, sind die Stöcke auf der Unterseite ausgefräst. In diese Ausfräsungen sind Membranen eingeleimt, die die Windladenbohrungen verschließen. Das Ganze funktioniert als Abwindsystem.

Wenn dem so ist, müssten zwischen den Stirnseiten der Stöcke Dichtungen aufgeleimt sein, was evtl. von außen sichtbar ist. Es müssten dann also alle Membranen und evtl. die Dichtungsringe auf der Windlade getauscht werden.

Beste Grüße
Jürgen Hess

JH

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Beigetreten: 10.07.2017 - 08:39

Guten Tag Herr Mebold,

es handelt sich bei dem System um sogenannte 'Stocktaschen'. Walcker hat dieses System (oftmals für Pedalladen 1950 - ca 68 öfters angewandt.) Grob kann man es mit einer Springlade vergleichen (= Ventil über Ventil; jede Pfeife hat ihre persönliche Einschaltung).

Über jeder Windbohrung einer Pfeife ist eine (auf den Kopf gestellte, liegende) Tasche angebracht. Die Tasche liegt oberhalb der Fundamentplatte, ist in den Stock in eine Tasche (=pro Ton) eingelassen.

Ist das Taschensystem unter Wind gesetzt, ergibt der innlegende Wind + die Spiralfeder in der Tasche den Windverschluss pro Ton. Entlüftet man das System (das sind die Wippmagneten außen; also alle Taschen eines Systems pro Register) kann der Wind den Taschen-Ventilteller beiseite drücken, die jeweilige Pfeife erklingt. Ist relativ system-sicher, Absprachebedingt gerade bei Zungen und sensiblem Klangmaterial nicht die beste Wahl. Es gibt keine Entlüftung nach Loslassen des Tones.

Es war die Zeit, als man noch nach 'guten' Schleifendichtungssystemen suchte. 

Vom Kalkulationsaufwand kann man eine Neubezug der Tasche pro Ton kalkulieren. In der Regel ist das weiße Walcker-Leder verbaut, zu 70% sind die Taschen meist an den bekannten Ecken leicht rissig. Aufgeleimt sind sie meist mit einem rosa Fliespapier, dass lässt sich gut vom Stockboden losbrechen. Federn sind in der Regel gut, gering nachspannen, kein Austausch. Ventilscheiben unbedingt neu beledern. Also der klassische Taschenaufwand, welchen man bei Registerkanzellen auch zu kalkulieren hat.

Falls Ihr dran müsstet, unbedingt den gestreckten und gedrückten Zustand abnehmen. Der Zusammenhang besteht auch mit den umlaufenden Moltondichtungen, womit sich ergo ggfs. der Aufgang verändert. Wenn man da gewissenhaft ist, ist das System sehr einfach in der Überholung zu haendeln.

LG  Markus Lenter

 

 

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Beigetreten: 15.12.2015 - 10:50

Liebe Kollegen,

vielen Dank für die Rückmeldungen und Informationen.
Sollte es zu dem Auftrag für uns kommen, werde ich hier
nochmal einige Fotos vom " Innenleben" hochladen.

Viele Grüße

Mathias Mebold