Ein Zungenworkshop des BDO in Weikersheim

Zwischen Bordun- und Brillianzton

 

Am letzten Januarwochenende fand der zweite der beiden Zungenworkshops des BDO im Haus der Fa. Laukhuff in Weikersheim statt. Um größtmögliche Intensität für den Einzelnen zu gewährleisten, war die Teilnehmerzahl auf zehn Personen pro Kurs beschränkt. Das sehr komplexe Thema der Fortbildung war aus gutem Grund auf zwei Tage verteilt. Schon bei der Begrüßung präsentiere sich Reiner Janke als hoch motivierter, fachlich äußerst kompetenter und dabei doch sehr lockerer Kursleiter.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde startete der Vortrag, in dem Reiner Janke die genaue Funktion einer Zungenstimme auf einer kleinen Intonierlade vorführte. Stimmt man die Zunge hoch bis zum Kippen, danach zurück bis zum Bourdonpunkt, entsteht ein runder, grundtönig, fülliger Klang. Hier bestimmt der Becher als Resonator die Tonhöhe. Noch etwas tiefer gestimmt, gewinnt der Klang mehr Helligkeit, die Fülle verschwindet. Interessant waren auch die Auswirkungen nach dem unterschiedlichen Aufwurf eines Zungenblattes, sowie bei der Verwendung verschiedener Zungenstärken.

Bei allen Beteiligten gab es sehr großen Gesprächsbedarf. Man einigte sich, den praktischen Teil erst am zweiten Tag anzugehen. Beim gemeinsamen fülligen Abendessen in einer urigen Wirtschaft wurden die gewonnen Erkenntnisse noch vertieft.

Am zweiten Tag, ganz der Praxis gewidmet, durften die Teilnehmer sich im „Allerheiligsten“ des Hauses völlig frei entfalten. Hier ist das Reich von Edgar Habel, Zungenintonateur der Fa. Laukhuff. Er stand uns mit Rat und Tat bei der Zungenauswahl und dem Zuschnitt neben Reiner Janke mit großem Elan zur Verfügung. Auf nicht weniger als sechs Intonierladen wurde experimentiert. Jeder Teilnehmer konnte sich beliebige Zungenpfeifen aus der laufenden Produktion für seine eigenen Versuche auswählen.

Viel zu schnell verging die Zeit, und am Ende gab es außer der rein fachlichen Fortbildung und dem Kennenlernen neuer Kollegen auch die Erkenntnis, dass man im Orgelbau – trotz Wettbewerbes – auch vorzüglich zusammenarbeiten kann.

 

Text und Fotos: Markus Graser, Orgelbaumeister