Nachruf Orgelbaumeister Poldi Gnedel

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Beigetreten: 12.12.2013 - 08:52
Nachruf Orgelbaumeister Poldi Gnedel

Nachruf Leoold (Poldi) Gnedel

Leopold Gnedel wurde in Kaufbeuren am 2.7.1923 geboren, und begann bereits im Alter von 14 Jahren eine Schreinerlehre. Er arbeitete als Schreiner bis Ende 1955 und wechselte Anfang 1956 zur Orgelbaufirma Gerhard Schmid in Kaufbeuren. Er war der zweite Mitarbeiter der Firma und arbeitete dort 40 Jahre mit vollem Einsatz als Konstrukteur und Werkstattmeister für über 40 Mitarbeiter bis zu seiner wohlverdienten Rente.

Aus seiner Ehe Mit Mimi Gnedel Hahn, stammend aus der bekannten Musikerfamilie, kamen sieben Kinder hervor, die alle musisch geprägt wurden. Er war ein Vater und Ehemann, dem der familäre Zusammenhalt und das Familienleben trotz seines aufreibenden Berufes sehr wichtig war.

In seiner Pfarrei war er sehr engagiert und jahrelang Mitglied im Kirchenvorstand.
Zusammen mit seiner Frau hat er im Chor der Martinsfinken gesungen.

Bis zum Einbau eines elektrischen Glockengeläutes in den 60 er Jahren läutete er und andere vor dem Gottesdiensten im Turm von St. Martin persönlich das komplizierte Glockengeläut der Kirche.

Auf der täglichen Fahrt zum Betrieb auf dem Motorrad trug er wie bei der Arbeit in kalten Kirchen schwedische Holzclocks ohne Socken, die er von Orgelmontagen in Schweden mitgebracht hatte.

In der Orgelbaufirma war Poldi der ruhende Pol, war sehr hilfsbereit und hatte immer ein Ohr für die Anliegen der Angestellten. Die Planung der Orgeln, die Organisiation der Arbeit und die Ausführung von ca. 200 Orgelneubauten und 150 Restaurierungen/Umbauten waren großteils sein Verdienst.
Er wandelte die Skizzen und Ideen meines Vaters Gerhard Schmid in praktische Lösungen und Pläne um.

In der Lehrlingsausbildung gab er sein Wissen umfassend an alle weiter, dadurch erreichten einige Lehrlinge beim Leistungswettwewerb den Titel des Bundessiegers.

Bei der Planung und Ausführung der großen Orgel in der Kathedrale von
Dijon 1995, (V Manuale, 74 Register) hat er sein absolutes Meisterstück abgeliefert. Dort wurde eine 250 Kahre alte Riepp Orgel unter Verwendung des historischen Orgelgehäuses und des Pfeifenwerks technisch und klanglich erneuert.

Neben seiner aufreibenden Arbeit und als Vater einer Großfamilie fand er noch genügend Zeit, in seiner Heimatpfarrei zur heiligen Familie nach Feierabend ohne Berechnung von 1976 bis 1986 eine Orgel zu bauen.
Mein Vater stellte Werkstatt und Maschinen kostenlos zur Verfügung, die Pfarrei kaufte Materialien, und so enstand zusammmen mit Pfeifenmacher Heinz Biemann, Rupert Dusch und vielen Freiwilligen eine form und klangschöne Orgel mit 2 Manualen und 27 Registern. Im Alter von 78 Jahren fügte er noch zwei Bassregister hinzu( Violon 16/8 ) und baute die bis zu 5 Meter langen Pfeifen aus Fichte persönlich in meiner Werkstatt.

Als letzte Arbeit fügte er der ebenfalls in Eigenregie enstandenen Truhenorgel in der gleichen Kirche noch ein Pedal und Basspfeifen hinzu.

Im vergangenen Jahr erlitt er bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall schwere Verletzungen.

Am 8.11.2013 ist Leopold Gnedel in Kaufbeuren im Alter von 81 Jahren in Kaufbeuren gestorben. Er hinterlässt eine große Lücke bei allen, die ihm nahestanden und diejenigen, die mit ihm zu tun hatten.

Gunnar Schmid , Orgelbaumeister